05.01.2026: Mit neuem Setup ganz vorne
Mittlerweile war die Spinnaker-Garderobe in die Jahre gekommen, und so stellte sich die Frage nach einem neuen Setup. Da zum einen die Anzahl von Kurzwettfahrten immer stärker zurückgeht und zum anderen man auch gerne einmal etwas Neues ausprobieren wollte, entschied sich unser Mitglied Jürgen Klinghardt und Eigner der Italia 9.98 „patent4“ für eine Umrüstung auf Gennaker. Vorausgegangen war ein intensiver Austausch nicht nur mit dem italienischen Konstrukteur, sondern auch mit dem in der Szene bekannten Experten Max Gurgel (u.a. maßgeblich am Design der neuen XR-41 von X-Yachts beteiligt), der empfahl, entsprechend dem Setup des estländischen Schwesterschiffes und Europameisters 2024 „Sugar“ mit 120 m² in die Vollen zu gehen – mit etwa der 1,5-fachen Fläche gegenüber den alten Spinnakern durchaus eine Herausforderung! Außerdem mussten diverse Umbauten an patent 4 vorgenommen werden: Bugspriet, Bergesystem, neue Schotführung. Hierzu Jürgen Klinghardt: „Ich persönlich bin noch nie auf einem Gennaker-Boot gesegelt und das Setup ist für mich völlig neu. Gott sei Dank konnte ein Teil meiner Crew ihre Erfahrungen hierzu einbringen. Es wird spannend!“
Bei den ersten Trainingsschlägen zeigte sich, dass der Gennaker erwartungsgemäß stabiler als ein Spinnaker zu fahren ist, jedoch aufgrund der noch ungewohnt riesigen Fläche das Setzen und Bergen mit gewissen Herausforderungen verbunden sind.
Im wahrsten Sinne des Wortes holprig verlief der Saisonauftakt 2025 zur Nordseewoche. Zum Start zur „Sundowner-Wettfahrt“ vor Cuxhaven, der wegen der Tide bereits auf den Freitagmittag gelegt war, erwarteten die Teilnehmer Windstärke 7, in Böen 8 und eine heftige steile Welle. Von den 10 Startern erreichten nur 5 Yachten Helgoland, darunter auch "patent4", die die harten Bedingungen unbeschadet überstanden hat. Das Ankommen auf Helgoland war wichtig, da am Sonnabend im Rahmen der „Early-Bird-Serie“ drei Kurzwettfahrten anstanden, wo zum ersten Mal unter Regatta-Bedingungen das neue Setup ausprobiert werden konnte. Dabei stellte sich heraus, dass der Teufel immer noch im Detail steckt; aber im Ergebnis war man doch sehr zufrieden. Denn es gelang der „patent4“-Crew, sich den prestigeträchtigen Helgoländer Hummer-Cup als Sieger der gesamten „Early-Bird-Serie“ zu sichern. Eine weitere `Feuerprobe` war dann die Wettfahrt rund um Helgoland. Auch hier offenbarten sich noch einige Handlings-Probleme. Denn bei Nathurn Nord zeigte sich noch einmal, wie ungewohnt es noch war, eine derart große Fläche beim Setzen zu beherrschen. Stattdessen wurde der neue A4 zunächst versenkt, und "patent4" parkte fünf Minuten, bis dann der A4 doch noch unbeschadet gesetzt werden konnte. Dabei war die Konkurrenz schon enteilt. Aber man startete eine Aufholjagd, fuhr noch auf den 2. Platz von insgesamt 31 Teilnehmern, und dabei machte die Crew zum ersten Mal die Erfahrung, wie powerful ein solcher Gennaker sein kann.
Zurück in der Ostsee wurde "patent4" noch spontan für die Regatta rund um Aero gemeldet, wo der Taktiker Olli Voß (übrigens mehrfacher Deutscher Meister im 14-Footer) die Rolle des Skippers übernahm. Diese Regatta hat für Olli Voß bereits Tradition, nahm er doch bislang mit einem eigenen Boot teil. Kurzfristig entschied sich Jürgen Klinghardt, sozusagen als Gast mitzusegeln. Umso größer war die Freude für Olli Voß, zum ersten Mal mit der sog. ‚Lampe‘ einen berühmten Preis zu gewinnen.
Als nächstes stand die Kieler Woche an, immer wieder eine „Muss“ für die "patent4"-Crew. Die Aalregatta endete mit Platz 1 für den Dauerrivalen „Sydbank“, eine modifizierte X-35, und knapp dahinter mit Platz 2 für "patent4". Die Aalregatta bildete den Auftakt für die IDM Inshore, die dann mit Kurzwettfahrten fortgesetzt wurde. Bei leichteren Winden zeigten sich gegenüber Spinnaker-Booten noch einige kleine Schwächen, die wahrscheinlich auf mangelnde Erfahrung beruhen und noch auszumerzen sind. Anschließend bei starken Winden fand die "patent4"-Crew zu ihrer ursprünglichen Performance zurück und konnte im Ergebnis noch Bronze ersegeln. Von den 6 weiteren geplanten Kurzwettfahrten bei Starkwind konnten nur zwei angeschossen werden, da die Verankerung des Startschiffes nicht hielt. Jürgen Klinghardt, der wegen eines Knieproblems die Wettfahrten von zuhause aus verfolgen musste, war von der Performance der Kieler Woche mehr als enttäuscht: „So etwas darf auf einer Kieler Woche und schon gar nicht auf einer Deutschen Meisterschaft passieren!“ Wiedergutmachung nach dem Inshore-Frust über die ausgefallenen Rennen erkämpfte sich die "patent4"-Crew mit dem Gewinn der Deutschen Offshore-Seesegelmeisterschaft beim abschließenden „Silbernen Band“. Jürgen Klinghardt: „Einmal Bronze und einmal Gold, die Crew hat einen super Job gemacht!“
Danach ging es wieder zurück ins Heimatrevier, und auf der Travemünder Woche bei den Up-and-Down-Wettfahrten zeigte die "patent4", was mit dem neuen Gennaker-Setup in ihr steckt, gewann sie die Serie überlegen mit nur ersten Plätzen. Komplizierter war es auf der Mittelstrecke bei schwachen Winden. Auf dem Downwind-Kurs konnte sich "patent4" mit dem großen A2 deutlich absetzen, blieb aber dann auf der Zielgeraden in einer Flaute hängen und musste überdies die Wettbewerber passieren lassen, konnte sich aber immerhin noch auf den 3. Platz vorkämpfen.
Anschließend ging es zur Dänischen Meisterschaft mit einem Zwischenstopp in Heiligenhafen, wo man wieder die Fehmarn-Rund-Regatta mitnahm. Allerdings erwartete die "patent4"-Crew dort kompliziertes Wetter. Zunächst Starkwind, und mit der Genua 4 klappte es an der Kreuz gut, aber auf dem anschließenden Am-Wind-Gang war das Segel dann doch zu klein. Dann der A4 hoch, aber der Wind drehte entgegen, und somit der A4 wieder runter. Der nächste Gang sah dann recht spitz aus, deshalb der A5 hoch, aber der Kurs entpuppte sich als Downwind-Gang, und die Spinnaker-Boote zogen vorbei. Somit blieb die Erkenntnis, dass man dann doch lieber hätte den A4 setzen sollen, und ein dritter Platz.
Die Dänische Meisterschaft in Middelfart bildete ein weiteres Saison-Highlight. Am ersten Tag gab es eine Distanzwettfahrt um eine benachbarte Insel. Interessant zu erwähnen ist die Startreihenfolge nach Art eines individuellen Känguru-Starts, wobei aber im Ergebnis aus den individuellen gesegelten Zeiten die berechneten Zeiten ermittelt wurden. Ein solches Startschema sollte auch hierzulande in Erwägung gezogen werden, hat es doch den Vorteil, dass die Flotte zusammenbleibt. Am zweiten Tag gab es leider sehr flaue Winde. Dabei ließ sich der Wettfahrtleiter nicht aus der Ruhe bringen, sondern bewies konstanten Mut, die Wettfahrten mehrfach abzuschießen, sobald sich auch nur ansatzweise unfaire Bedingungen abzeichneten. Nicht nur wegen der flauen Winde und in Anbetracht starker Konkurrenz war es für die "patent4" ein schwerer Tag, sondern sie musste anders als bei ORC bei dem dort angewendeten DH-System allen anderen vergüten, so z. B. auch dem Dauerrivalen X-35 „Sydbank“, der bei Leichtwind nicht zu schlagen ist. Am letzten Tag war dann aber bei mittleren Winden die Welt wieder in Ordnung, und "patent4" konnte sich noch einen zwar nicht ganz befriedigenden, aber irgendwie doch noch glücklichen 5. Platz erkämpfen.
Den Abschluss der Saison 2025 bildete die Flensburger Fördewoche. Auch hier musste Jürgen Klinghardt, nun wegen privater Verpflichtungen, wieder die Rolle des Skippers seinem Taktiker Olli Voß überlassen, der die "patent4" beim „Nospa“-Cup, einer Serie aus drei Kurzwettfahrten, zum Sieg steuerte. Allerdings folgte dann die Revanche der Dauerrivalin „Sydbank“ auf dem Fuße, gewann sie, wenn auch nur knapp vor „patent4“, den Flensburger-Pilsener-Cup bei der abschließenden Blaue-Band-Wettfahrt und dadurch 10 Kästen Bier der genannten Marke.
Foto(s): Christian Beeck