20.12.2023: Blogeintrag #18

Aufbruch Richtung Kap Verde | Foto: Clara
Aufbruch Richtung Kap Verde | Foto: Clara
 

Aufbruch Richtung Kap Verde | Foto: Clara
Aufbruch Richtung Kap Verde | Foto: Clara
Aufbruch Richtung Kap Verde | Foto: Clara
Aufbruch Richtung Kap Verde | Foto: Clara
Aufbruch Richtung Kap Verde | Foto: Clara
Aufbruch Richtung Kap Verde | Foto: Clara
Aufbruch Richtung Kap Verde | Foto: Clara
Aufbruch Richtung Kap Verde | Foto: Clara
Aufbruch Richtung Kap Verde | Foto: Clara

Sonntagmorgen können wir die lang ersehnte Fahrt Richtung Kap Verde endlich beginnen. Voller Vorfreude verlassen wir die Marina von La Gomera und setzen Kurs auf Mindelo. 

Der Wind wirkt zunächst vielversprechend und der Nordost Passat weht bei soliden 10 Knoten. 

Wir segeln durch den Tag und in die erste Nacht hinein. Parallel etablierten wir unser Wachsystem und zu Sonnenuntergang kehrte Ruhe auf dem Schiff ein. Eine gute Gelegenheit, um den Sternenhimmel zu bewundern, was nur durch das leichte Glimmern von El Hierro beeinträchtigt wird, das wir in einigen Meilen Entfernung passieren. 

Im Laufe der ersten Nacht flaute der Wind ab und wir zögerten den Einsatz des Diesels weit möglichst heraus, da der Schwell angenehm klein war und auch bei geringem Druck in den Segeln relativ wenig Bewegung im Schiff war. 

Am zweiten Tag der Überfahrt blieb der Wind eher unbeständig und wir kamen weiterhin nur langsam voran. Wir beginnen tagsüber Karten zu spielen und gelegentlich doch den Motor anzuwerfen, da das zunehmend laut schlagende Segel im schwachen Wind die Nerven strapazierte. Dieses Spiel wiederholte sich noch für einen weiteren Tag und eine Nacht, in der wir nur mäßig vorankamen. Clara entschied sich bei der Flautenstimmung etwas für die Moral zu tun und Pfannkuchen zu machen und uns mit Bananenbrot zu verköstigen. 

Mit dieser Stärkung im Magen und optimistischen Voraussagen der Wetterwelt kam dann endlich der vorausgesagte Wind, der sich innerhalb von 12h auf bis zu 20 Knoten aufbaute. 

Jetzt hieß es Segel reffen und tiefe lutschen, da der Wind leicht drehte sodass der direkte Kurs auf Mindelo nicht mehr gehalten werden konnte. 

Die Nächte sind jetzt zunehmend verhangen und die Milchstraße nur noch teilweise zu sehen. Auch die Sonne verabschiedet sich schon früh hinter einem Schleier aus Dunst, dafür funkelt nach wie vor das fluoreszierende Plankton in unserer Bugwelle und bildet einen schimmernden Schein, den wir wie eine Sternschnuppe hinter uns herziehen und der uns bis zu unserem Ziel begleiten wird.  

Die Stimmung an Bord hellt sich merklich auf, da wir nun endlich Meile um Meile die Kanaren hinter uns lassen und das Klima spürbar wärmer und vor allem nachts feuchter wird. Hinzu kommen zunächst vereinzelte und schließlich täglich mehrfache Delfinsichtungen mit Showeinlage und Begleitung über mehrere Minuten hinweg. 

Generell wirkt der Ozean voller Leben, da selbst hier auf halber Strecke regelmäßig Vögel beim Fischen beobachtet werden können. Und Schwärme von fliegenden Fischen das Weite suchen, wenn sich der Bug der Meu zügig an ihnen vorbeischiebt. 

In der zunehmenden Welle, die sich durch den Wind aufbaut, schlägt sich Larry, unser Autopilot, tapfer, aber irgendwann werden die vereinten Kräfte durch Böen mit bis zu 30 Knoten und 3 Meter Welle zu groß, sodass die Kraftübertragung des Motors auf den Ruderschaft versagt und der Motor schließlich das Ruder blockiert. Eine nächtliche Reparaturaktion seitens Clara und der Autopilot ist neu zentriert. Nur kann er dauerhaft den Kräften nicht mehr standhalten, sodass wir nun selbst das Ruder in die Hand nehmen müssen. 

Da auch eine Reperatur mit improvisierten Anti-Rutsch-Matte keinen Erfolg zeigt, werden wir die nächsten drei Tage das Ruder nicht mehr aus der Hand geben. 

Erst als Kap Verde schon zum Greifen nah ist, flaute der Wind allmählich ab und macht alle Hoffnungen am Samstagabend einzulaufen zu Nichte. Zudem werden nun einige Halsen gefahren, um zum Einen den direkteren Kurs, aber auch den komfortableren Bug zu finden, damit die nun merklich angeschlagene Crew in der wachfreien Zeit zur Ruhe kommt. 

Wir alle freuen uns jetzt auf das Einlaufen im Hafen von Mindelo, was wir nach ziemlich genau 7 Tagen auf See am Sonntag morgen erwarteten. 

Kurz vor der Insel Santo Antao weht nochmal ein kräftiger Wind, der uns erlaubt die Insel schnell Steuerbord liegen zu lassen. 

Die Dämmerung bricht an und langsam schält sich Sao Vicente bei sternenklarem Himmel aus der Dunkelheit. Mit wolkenverhangenen Gipfeln und der tiefen Einbuchtung in der, der große Yachthafen eingebettet ist, bietet sich uns ein mystischer Anblick. 

Der Anblick der glitzernden Lichter des Hafens und der Stadt drumherum sind eine angehnehme Abwechslung zur endlosen Weite des Ozeans. 

Trotz der frühen Morgenstunden können wir direkt im Hafen festmachen. Und haben nun endlich wieder festen Boden unter den Füßen, was sich sofort unnatürlich anfühlt. Wir alle haben uns an das doch teilweise unsanfte schaukeln der Meu sehr gewöhnt und lassen uns auch noch Tage später davon in den Schlaf wiegen.

Levin Beckmann 

Foto(s): Clara

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